Natürliche Lerntechniken

Viele Menschen bleiben stehen bei mittelmäßigen Ergebnissen, weil sie ihre Versprechen gegenüber dem Pferd nicht einlösen - sie zeigen nicht, dass sie es ernst meinen. Andere wiederum verunsichern ihre Pferde  oder machen sie hektisch, weil sie mit Phase 2 oder gar 3 beginnen, anstatt sanft mit Phase 1.

4 Phasen der Bestimmtheit

 

 

Wann immer du deinem Pferd einen Hinweis gibst, beginne freundlich mit Phase 1 und 100g Druck.

Weigert es sich, steigere deine Bestimmtheit schrittchenweise über Phase 2...3...4.... bis eine Antwort kommt. Lasse deinem Pferd in jeder Phase etwa 3 Sekunden Zeit zum Denken. Machst du schneller, bleibt deinem Pferd zu wenig Zeit zum Denken. Machst du langsamer, bleibt dein Pferd länger beim unerwünschten Tun und kommt nicht zur Entscheidung, etwas zu ändern. Wenn du diese 4 Phasen der Bestimmtheit in jeder Situation beherrscht, lehrst du dein Pferd, leicht und weich zu antworten und dich zu respektieren. Es weiß dann, dass du freundlich sein möchtest, aber auch, was es zu tun gilt, um zu erreichen, was du möchtest. Denke darüber nach, wie diese 4 Phasen in jedem der Spiele aussehen können.  Denke daran, Rhytmus zu benutzen, und darauf zu vertrauen, dass dein Pferd positiv antworten wird. Doch sei darauf vorbereitet, es zu korrigieren. Beständigkeit ist ein guter Lehrer.

Die 4 Verantwortlichkeiten

(Dein Anteil)

  1. Werde mental, emotional und physisch so fit, dass du dich nicht wie ein Raubtier verhalten wirst.
  2. Habe einen unabhängigen Sitz.
  3. Denke wie ein Horseman.
  4. Benutze die natürliche Kraft deines Focus.

(Der Anteil des Pferdes)

Werde mental, emotional und physisch so fit, daß du dich nicht wie ein Fluchttier verhalten wirst.

  1. Wechsle nicht die Gangart
  2. Wechsle nicht die Richtung
  3. Schau wohin du deine Füße setzt.

Wann immer du mit deinem Pferd zusammen bist, denke daran, dass es deine Aufgabe ist, ihm zu helfen, dass es seine Verantwortlichkeiten kennt und ihnen nachkommt.

 

Respekt bekommst du am Boden (oder gar nicht). Wenn du ein Problem hast, sitz ab und kläre die Angelegenheit am Boden.

 

 


 

Die Tellington Methode:

Bei der Vielzahl der heutigen angebotenen Horsemanship Methoden und Trainer sind die "Urväter" dieser großartigen Bewegung langsam in Vergessenheit geraten. So auch die Erkenntnisse der großartigen Linda Tellington Jones.

 

1.) Der Umgang mit Pferden

  • Grundlage im Umgang mit Pferden: Vertrauen und Dominanz
  • Kommunikation durch Körpersprache
  • Auch wir können sehr viel von Pferden lernen, wir müssen es nur wollen
  • Ziel der Ausbildung ist eine vertrauensvolle Kooperation zwischen Pferd und Reiter und ein aufmerksames, freudig mitarbeitendes Pferd.

W A R U M ?

      Ein solches Perd ist:

  • sicherer, weil es nicht vor allem Unbekannten blindlings davonrennt
  • sicherer, weil es gelernt hat, auf seinen Reiter hinzuhören, und mit ihm Lösungen sucht.
  • erfreulicher, weil es dem Reiter das Gefühl vermittelt, beim Ritt wirklich zu zweit zu sein, einen Kameraden zu haben, auf den Verlass ist.
  • weiniger anstrengend, weil es nicht ständig mit dem Reiter kämpft, der Reiter deshalb leichter sitzen kann und die Zügel leichter führt.
  • geschonter, weil es seine Kräfte nicht in der Abwehr unverstandener Reiterbefehle verbrauchen muss und zu beidseitigem Vergnügen einsetzen kann.

2.) Das Wesen des Pferdes

 

Pferde sind Herdentiere. In der Herde existiert eine hierachische Ordnung. Die ranghöchsten Pferde sind Leitstute und Leithengst. Während der Leithengst für die Sicherheit der Herde verantwortlich ist, führt die Leitstute die Herde zu Futter und Tränkeplätzen. Ausser der strengen Hierarchie (Dominanz) kommen in Pferdeherden intensive Zweierfreundschaften (Vertrauen) vor. Der Mensch muß durch seine Arbeit versuchen, beide Positionen gegenüber einem Pferd einzunehmen. Der Mensch nimmt für das Pferd die Leittier- und Freundesposition ein.

 

Pferde sind Fluchttiere:

Gerät ein Pferd oder eine Herde in eine Gefahrensituation, so ist ihre einzige Überlebenschance die Flucht. Eine Herde flüchtet jedoch nur dann, wenn die Leittiere eine Gefahr signalisieren. Hat das Pferd zu "seinem" Menschen Vertrauen gefasst, d.h. hat der Mensch die Rolle des Leittieres übernommen, so signalisiert er durch sein Verhalten, ob eine Gefahrensituation besteht oder nicht. Bleibt der Mensch in schwierigen Situationen ruhig, veranlasst er auch das Pferd nicht zur Flucht.

Der Durchgänger:

Es gibt Pferde, die durchgehen, sobald ein Reiter auf ihnen sitzt. Der Grund der Flucht bei diesen Pferden ist in der Regel darin zu suchen, dass durch den Reiter Schmerzen entstehen, sei es durch ein scharfes Gebiss in einer harten Hand oder durch einen schlecht sitzenden Reiter auf einem nicht passenden Sattel. Das Pferd flüchtet vor diesen Schmerzen.

 

3.) Die Feldenkrais-Methode

Kinder haben eine natürliche Art sich zu bewegen. Im Laufe der Entwicklung bildet der Mensch Verhaltens -und Bewegungsmuster aus, die seinem Idealbild entsprechen. Sie sind meist unnatürlich, verkrampft und wesentlich durch unsere Umwelt geprägt. Moshe Feldenkrais hat in seiner Methode komplizierte Bewegungsabläufe in Elementarbewegungen aufgesplittert. Durch diese Vereinfachung wird es möglich, die Veränderungen, die eine bestimmte Bewegung verursacht, durch den ganzen Körper zu verfolgen. Hierdurch werden neue Impulse an das Nervensystem vermittelt, die nicht von den menschlichen Vorstellungen beeinflusst sind. Sie helfen dem Körper dabei, sich selbst in ein Gleichgewicht zu bringen. Befindet sich der Körper im Gleichgewicht, so ist nur eine minimale Muskelanstrengung nötig, um diese Balance zu halten. Überflüssige Spannungen können abgebaut werden. Ist der Körper im Gleichgewicht, ist auch die Seele im Gleichgewicht. Auch ein Pferd ist in der Lage, ein Körpergefühl zu entwickeln!

 

4.) Körperarbeit

Sinn der Körperarbeit ist es einerseits sein Pferd durch Berührung kennen zu lernen, andererseits Verspannungen und schmerzende Stellen zu finden, Wohlgefühl auszulösen und Vertrauen zu erwerben. Das Pferd soll sich an jeder Körperstelle berühren lassen. Dazu ist es notwendig, dass das Pferd gelernt hat, dass wir sorgsam mit ihm umgehen. Diese Achtsamkeit fängt bereits bei der ersten Berührung des Pferdes an (Prägephase). Der Mensch muß lernen, sorgfältig auf Reaktionen des Pferdes zu achten und sie zu verstehen. Pferde sprechen eine sehr deutlche Sprache, wir müssen sie nur verstehen wollen! Schon beim Putzen sagen uns die Pferde ganz genau, was ihnen gefällt und was nicht. Ein unruhig herumtretendes Pferd zeigt Unbehagen. Die Unruhe kann verschiedene Ursachen haben. Einerseits können es kleine Verletzungen sein, es können aber auch Verspannungen oder einfach Kitzligkeit sein, die das Pferd veranlassen, sich gegen diese Berührungen zu wehren. Gerade das Putzen ist die Möglichkeit mit dem Pferd Kontakt aufzunehmen und ihm zu zeigen, dass es einem vertrauen kann.

Die eigentliche Körperarbeit besteht darin, ganz gezielt auf Probleme des Pferdes einzuwirken und diese zu lösen. Ziel der Arbeit ist es, durch bestimmte Berührungen dem Pferd ein neues Körperbewusstsein zu vermitteln. Hierdurch werden z.B. Verspannungen gelöst und das Pferd kann sich neu ausbalancieren. Körperarbeit wirkt immer auf den ganzen Körper ein, denn wenn ein Baustein seine Lage verändert, müssen sich alle anderen danach ausrichten. Einige Beispiele sollen dies verdeutlichen:

  •  Arbeitet man am Nacken des Pferdes, wird dieses veranlasst, den Kopf zu senken. Der Hals kann sich entspannen und der Rücken hebt sich. Dadurch wird  auch eine Lockerung der Schulter-und Kruppenmuskulatur erreicht.
  • Die Probleme dürfen nicht immer direkt an dem Ort vermutet werden, an dem sie in Erscheinung treten. Wenn z.B. ein Pferd oft stolpert, so kann es natürlich daran liegen, dass es unaufmerksam ist. Es kann aber auch einfach Probleme in den Hüftgelenken oder im Rücken haben, die ihm nicht erlauben, die Beine bewusst wahrzunehmen. In diesem Fall beginnt die Arbeit am Rücken und an der Hüfte, nicht an den Beinen.
  • Viele Pferde lassen sich nicht an den Ohren anfassen. Pferdeohren sind sehr empfindlch. Hier enden z.B. Nerven, die einen Einfluss auf die Darmtätigkeit haben. Arbeit an den Ohren wirkt auf das vegetative Nervensystem. Im Falle einer Kolik kann man seinem Pferd durch Arbeit an den Ohren helfen - ersetzt aber nicht den Tierarzt.
  • Körperarbeit tut jedem Pferd gut, denn sie gibt dem Nervensystem neue Impulse und bewirkt dadurch ein neues Körpergefühl, Wohlbefinden und Selbstvertrauen. Ausserdem weckt sie Interesse am Tun des Menschen.

 5.) Bodenarbeit

Die Bodenarbeit ergänzt die Körperarbeit. Hat das Pferd durch die Körperarbeit Vertrauen gewonnen, lässt es sich problemlos anfassen und hat es ein neues Körpergefühl entwickelt. Das kann es nun in der Boderarbeit umsetzen.

Je phantasievoller die Übungen sind, desto mehr Spass haben Pferd und Mensch bei der Bewältigung der Aufgaben. Jetzt kann das Pferd lernen, genau auf die Hilfen des Menschen zu achten und an seiner Seite Probleme zu lösen und der Mensch lernt, seine Hilfen präzise und verständlich einzusetzen. Wichtig bei der Bodenarbeit ist, dass alle Übungen schrittweise und mit Pausen durchgeführt werden. Das Pferd soll lernen, nachzudenken und nicht einfach über alles drüberzuwalzen oder davonzurennen.

Wie die Körperarbeit bereits beim Putzen anfängt, beginnt die Bodenarbeit beim führen. Geführt wird in Höhe des Kopfes und mit mindestens einer Armlänge Abstand. Das Pferd soll selbtständig und aufmerksam folgen, ohne zu überholen oder ständig am Strick zu ziehen. Ein wichtiges Hilsmittel bei der Arbeit am Boden ist der Stick. Er dient dazu, Signale und Hilfen bei der Ausführung der Aufgaben zu geben. Pferde die vor dem Stick scheuen, werden durch Körperarbeit und vorsichtige Berührung mit dem Stick an diesen gewöhnt. Hierbei ist ein vorsichtiger, behutsamer Umgang besonders wichtig. Lässt sich das Pferd willig und aufmerksam führen und hat es den Stick als Hilfe akzeptiert, kann man mit der eigentlichen Bodenarbeit beginnen.

1.) Stangen: Wir können sie in verschiedensten Anordnungen auf den Boden legen, mit dem Pferd hindurchlaufen und darübersteigen. Das Pferd soll lernen hinzuschauen, abzuschätzen und seine vier Füsse einzeln zu koordinieren und zu bewegen. Die Stangen können beispielsweise in der Form eines großen L, sternförmig oder als Grill aufgebaut werden.

2.) Tonnen: Tonnen bieten viele Möglichkeiten. Als Gasse aufgebaut, lernt das Pferd durch schmale Durchgänge zu gehen und sich durch Berührung von Gegenständen nicht irritieren zu lassen. Als Slalom aufgebaut fördern sie die Beweglichkeit. Am Boden liegend können sie als grössere Hindernisse verwendet werden.

3.) Planen: Sie dienen der Gefahrenbewältigung. Ein Pferd, das auf dem Reitplatz ohne Angst über und unter flatternden Planen läuft, scheut auch im Wald vor einer Plastiktüte im Baum nicht.

4.)Reifen: Auch hier kann man, wie bei den Stangen, mit dem Pferd üben, Beine einzeln und auf Kommando zu bewegen, über unheimliche Gegenstände zu klettern und sich von solchen verfolgen zu lassen.

 

Bei der Arbeit mit einem Pferd gilt:

Geduld und Verständnis für das Pferd.

Der Lernprozess ist wichtiger als die sofortige richtige Ausführung.